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Wieviel von einem Troll steckt in ConTROLLErn?

Kürzlich wurde ich auf den folgenden Tweet aufmerksam:

TrollTweet

Will die Verfasserin des Tweets damit andeuten, Controller erinnerten sie an Trolle?! Ist für sie im Begriff »ConTROLLing« das Wort »Troll« enthalten?

Muss man die Autorin so verstehen, dass Kommunikatoren durch das Auftreten von ConTROLLErn an Trolle erinnert werden ?

Wenn wir (Controller) Glück haben, erinnern wir  im besten Fall an die Trolle aus Edvard Griegs „Peer Gynt Suite“ (Tanz der Trolle in der Halle des Bergkönigs), haben demnach etwas Komisches an uns.

Warum ruft der Begriff »Kommunikations-Controlling« bei Kommunikatoren grundsätzlich negative Assoziationen hervor? Warum ist das so?

Liegt es möglicherweise daran, dass der Begriff »Controller« mit »Kontrolle« assoziiert wird? Lassen Sie uns das einmal untersuchen!

»Begriffliche« Untersuchung

In der nordischen Mythologie ist ein Troll der Oberbegriff für alle plumpen, unheimlichen und  übernatürlichen Wesen, häufig ein schadenbringender Riese. Etymologisch geht der Begriff Troll auf das germanische truzla mit dem Verb trullon für „kugeln“, „rollen“, „stellen“ zurück. Im Schwedischen bedeutet trolla („zaubern“) und entspricht mittelhochdeutsch trüllen (etwa „gaukeln“, „betrügen“).

In Tolkiens „Herr der Ringe“ und in Rowlings „Harry Potter“ werden Trolle als geistig unterbelichtete, brutale, menschenfressende und riesenhafte Wesen beschrieben. Zudem sind sie mit einer dicken, nahezu unempfindlichen Haut ausgestattet.

Auf Hogwarts, der durch die Buchreihe um Harry Potter bekannt gewordenen Zaubererschule, wird die schlechteste Note, die man bei Prüfungen erzielen kann, mit »Troll« bezeichnet.

Die Bedeutung des Begriffes »Troll« in der Kommunikation muss hier nicht näher erläutern werden. Es sei lediglich darauf hingewiesen, dass die Universität von Indiana die Aktivitäten eines Trolls mit „to troll“ oder „trolling“ bezeichnet (What is a troll?)

Ist also nach diesen Ausführungen die zusammenfassende Schlussfolgerung zulässig, dass Controller als plumpe, riesenhafte, geistig minderbemittelte,  mit übernatürlichen Kräften ausgestattete Wesen gesehen werden müssen, die zum Vorgaukeln neigen und noch dazu betrügen?

In dieser Sichtweise wäre ein Controller grundsätzlich ein Untersuchungsobjekt für den Bereich Compliance / Fraud eines jeden Unternehmens!

»Sprachliche« Untersuchung

Lassen wir den letzten Gedanken vorerst so stehen und kommen zum nächsten Punkt:

Wenn also aus dem Begriff »ConTrolling« das Wort »TROLL« herausgelesen werden kann, wofür steht dann die Anfangssilbe »Con«?

Im Englischen hat »con« die Bedeutung von Schwindel, Gauner, Knacki, als Verb hat es die Bedeutung von schwindeln, betrügen, reinlegen.

Im Französischen steht »con« für blöd, bescheuert, doof und noch für andere, wenig schmeichelhafte Bedeutungen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. 😉

Im Italienischen / Spanischen hat »con« die Bedeutung von »mit (etwas)«.

Ich fasse vereinfachend (und nicht ganz ernst gemeint) zusammen:

  • Ein Troll hat etwas von einem großen, plumpen Betrüger an sich, verfügt unter Umständen über übernatürliche Kräfte, während CON eine zusätzliche negative Bedeutung beinhaltet.
  • Spreche ich den Begriff »Controller« sehr deutsch aus (probieren Sie das mal aus!), dann wird daraus »Konn-Troller«!
  • Verwende ich für den Begriff »Con« die italienisch/spanische Bedeutung »mit« und verbinde das mit der Verbform »trolling« (im Sinn von destruktivem Verhalten im Internet), dann lese ich daraus »mit trolling«. Also Controlling = »mit destruktivem Verhalten im Internet«.

Wie ich es auch drehe und wende, der Begriff »Controlling« lässt sich aus jeder Perspektive nur negativ »deuten«.

Controlling als Produkt, als Service

Betrachten wir doch mal die Funktion des Controllings in Unternehmen als das, was es eigentlich ist, nämlich als einen Service, als eine interne Dienstleitung, eine Unterstützungsfunktion für das Management.

In diesem Fall begehen Controller aus der Sicht von Kommunikatoren, Produktmanagern, Marketeers einen grundlegenden Fehler:

Controller wählen einen durch und durch missverständlichen Begriff, besetzt mit negativen Assoziationen, für etwas, was sie als »Produkt« anbieten. So wie der Mitsubishi Pajero seinerzeit in den 80ern in spanischsprechenden Teil der Welt den Namen Montero erhielt, so würden Kommunikationsexperten uns Controllern wahrscheinlich einen andere Bezeichnung für unser Berufsbild »Controlling« empfehlen, um unsere »Kundschaft« nicht zu verschrecken.

Controller verwenden aus Sicht von Kommunikatoren überhaupt eine sehr eigentümliche Sprache, wie schon Christopher Lautenbach vor ca. 10 Jahren so amüsant darstellte. In Anlehnung an den Film Mars Attacks! (1996), sind Controller als aggressive Wesen von einem anderen Planten zu betrachten, die sich völlig unverständlich ausdrücken.

TLAutenbachMArs

Controller und Kommunikatoren

Folglich machen Controller in der Selbstdarstellung, im Wording kommunikativ alles falsch? Stimmt dann wenigstens das »Produkt«?

Was ist das »Produkt« von Controllern , was zeichnet Controlling  aus?

Mit Controlling ist eigentlich die Steuerung eines Unternehmens, mit Kommunikations-Controlling die Steuerung der Unternehmenskommunikation gemeint.

  • Das bedeutet im Detail das Führen mit messbaren Zielen,
  • die Ausrichtung der Ziele an Beiträgen für die Wertschöpfung eines Unternehmens durch ein Stakeholder-Management,
  • die Ausrichtung von Maßnahmen, Plattformen, Touchpoints, Kanälen auf Kommunikationsziele,
  • die Zuweisung von notwendigen Ressourcen auf die geplanten Maßnahmen, Plattformen, Touchpoints, Kanälen und damit eine Wirkungsorientierte Budgetierung.

Fazit:

(Kommunikations)Controlling ist an sich eine vorteilhafte Dienstleistung für ein Unternehmen und sollte in seiner Unterstützungsfunktion für Kommunikatoren nicht abschrecken. Durch den schlecht gewählten Produktbegriff und ihr ungeschicktes Verhalten, mit ihrer (scheinbaren) Fixierung auf rein finanzielle Aspekte, haben Controller ein schlechtes Image. Vielleicht sollten die Kommunikatoren eines Unternehmens deren Kollegen aus dem Controlling  bei einer Image-Kampagne unterstützen und beraten? Zum Ausgleich könnten Controller den Kommunikatoren zeigen, wie diese ihre notwendigen Ressourcen genehmigt bekommen.

Das wäre eine klassische Win-Win-Situation und eine wahrhaft wertschöpfende Partnerschaft!


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